71. Auktion der Freunde Historischer Wertpapiere und Sammlertreffen am 4./5.10.2003 in Frankfurt, Queens Hotel

Schön, daß es nun neben den informativen und wie eigentlich seit Jahren sehr guten Katalogen der "Freunde" nun endlich auch einen Internetauftritt gibt. Angelehnt an den www-Auftritt des Hanseatische Sammlerkontors und ebenso bedienerfreundlich. Da kann der Sammler nur hoffen, daß in Kooperation mit den "Hamburgern" eine dauerhafte Internetpräsenz des Marktführers entsteht.

Zur Auktion selbst kamen an einem freundlichen, herbstlichen Morgen in Frankfurt ca. 20 Saalbieter in das in Holiday Inn Airport North umbenannte Queens Hotel . Das änderte sich naturgemäß nach der Mittagspause, so daß dann etwa 50 Besucher (ca. 40 Bieternummern) den 2. Teil der Auktion im ADS-System erlebten. Ausnahme waren die 26 EURO Stücke und die Sammlung "Ostwestfalen, Lippe und Umgebung" diese Auktionsteile wurden vollständig aufgerufen. Ich kann daher auch, wie ich immer wieder betonen muß, nur einen subjektiven Eindruck wiedergeben, da wie bekannt bei diesem Auktionssystem nicht alle Lose aufgerufen werden. 1.598 Lose suchten diese Mal einen neuen Besitzer. Dabei ein mit ca. 518 Losen verhältnismäßig großer Auslandsteil, dem nach der Mittagspause etwas über 200 Lose zu 26 EURO folgten. Danach der in Epochen gegliederte Deutschland-Teil von Thaler und Gulden bis zu den DM-Stücken der neunziger Jahre inkl. der bereits erwähnten Sammlung. 

Es schien so, daß die Zuschläge im Auslandsteil doch hinter den Erwartungen des Versteigerers zurück blieben. Hier waren viele der Topstücke nicht gefragt. Derzeit scheint man in Deutschland eher "patriotisch" zu sammeln. Der Deutschland-Teil war dagegen sicher besser beboten, aber auch hier blieb manches Topstück liegen. Besonders die Neue Theater AG, Frankfurt, war wohl doch für diese Erhaltung zu hoch angesetzt. Schade auch, daß einmal mehr eine Sammlung "zerlegt" wurde, denn  "Ostwestfalen, Lippe und Umgebung" hätte sicher ein besseres Schicksal verdient gehabt. So muß der Einlieferer erst einmal mit ca. 18.000 EURO (vor Abzug der Provision) vorlieb nehmen und darauf hoffen, daß die "Reste" auch verwertet werden können. 

Bei den 26,00 EURO Losen blieb wie zu erwarten kaum etwas liegen. Aber auch hier waren die Sammler kritisch und die Stimmung im recht ruhigen Saal war nicht dazu angetan, einfach einmal ein Stück mitzunehmen. So konnten sich auch die Schriftbieter über manches Schnäppchen freuen. Das manche Stücke ihren Preis alleine machen, konnte man übrigens auch feststellen. Bürger-Ressource-Gesellschaft, Hof von 1804 Ausruf 26 EURO - Zuschlag 1.750 EURO !!!  Na also es geht doch !

Bemerkenswerte Einzelergebnisse:

African Ostrich Fram and Feather Comp., 1913 (Ausruf 1.250/ Zuschlag 1.250)

China Airways Federal Inc., 1933 (1.000/1.000)

Rio Grande Gold Mining Co., Colorado Springs, 1899 (1.250/1.350)

South Sea Comp., London, 1740 (1.800/1.805)

Bürger-Ressource-Gesellschaft, Hof von 1804 (26/1.750)

AG für die Gasbeleuchtung von Biebrich-Mosbach, 1859 (3.000/4.400)

Frankfurter Kunstverein, 1855 (1.250/1.400)

Sieg- Rheinischer Bergwerks. und Hütten-Actien-Verein, Cöln, 1858 (1.750/1.750)

Steinkohlenbau-Verein zu Rochlitz, 1855 (14.000/15.000)

Verein zum Schutz deutscher Einwanderer in Texas, Wiesbaden, 1846 (7.500/7.500)

Actien-Baugesellschaft Mülheim a.d. Ruhr, 1873 (1.750/1.950)

Cöpenicker Chemische Fabrik, 1871, Berlin (1.600/1.600)

Actien-Zucker-Fabrik Rautheim, 1875 (3.000/3.300)

AG Nationalzeitung, Berlin, 1900 (1.500/1.600)

Elektrische Strassenbahn Bamberg, 1899 (1.000/1.000)

Gantersche Brauerei-Gesellschaft, Freiburg i. Br., 1886 (8.000/10.500)

Renault Freres-Automobil-Ag, Berlin, 1907 (3.500/4.300)

Steinkohlen-Bergwerk Haus Dudenroth, 1902, Sölde i.W. (650/1.050)

Steinkohlenbergwerk Dorsten, 1908 (6.000/6.300)

Actien-Bierbrauerei in Detmold, 1868 (2.000/2.400)

Bielefelder AG für Mechanische Weberei, 1865 (2.400/2.600)

Kronen-Brauerei zu Bückeburg, 1908 (1.000/1.400)

Münchner Tierpark, 1929 (4.000/4.100)

 

Nicht zugeschlagen wurden:

64 Bankwerte USA 1815-1975 (6.000)

Rolls-Royce of America, Inc., Delaware, 1920 (1.800)

Confederate States of America, CR.2, 1861 (1.500)

Cody-Dyer Arizona Mining & Milling Co.,  1913, Arizona (3.800)

Edison Portland Cement Co., New Jersey (1.200)

Standard Oil Co., Cleveland, Ohio, 1877 (6.800)

Soc. Gen. pour favoriser l'Industrie Nationale, Brüssel, 1837 (1.000)

Kaiser Ferdinands Nordbahn, 1848, Wien (5.000)

Sparkasse der Zipser fünf Oberstädte in Georgenberg, 1869 (1.600)

Empreza Touromachia Lisbonense, Lissabon, 1893 (2.000)

Fabrica de Faiancas das Caldas da Rainha (20$000 Reis), Lissabon, 1884 (3.300)

Schweizerische Export-Gesellschaft, Zürich, 1864 (1800)

Bark Schiff "Wilhelm von Flotow", Rostock, 1848 (1.200)

Deutsch-amerikanischer Bergwerks-Verein, Elberfeld (4.000)

Gesellschaft für Torfproduction, Hamburg, 1844 (1.800)

Stettiner Theater, 1815 (2.200)

Bayerisches Gewerbemuseum, Nürnberg, 1872 (1.250)

AG Apollinarisbrunnen vorm. Georg Kreuzberg, Ahrweiler, 1876 (2.000)

Frankenholzer Kohlenbergbau-Unternehmen, Zweibrück, 1879 (1.600)

Neue Theater-AG, Frankfurt, 1883 (17.500)

Bielefelder AG für Mechanische Weberei, 1870 (1.400)

 

Nicht aufgerufen:

Oregon Central Railroad, Salem, Oregon, 1867 (1.350)

Thomas Edison Incorp., New Jersey, 1925 (2.000)

Cooperation Libre des Armees de Terre et de Mer, Paris, 1898 (1.500)

Manufacture Royale de Chapeaux Fins, Rennes, 1777 (1.800)

Soc. des Moteurs Cyclone, Lyon, 1913 (2.500)

Fabrica de Faiancas das Caldas da Rainha (5 x 100$000 Reis), Lissabon, 1884 (3.800)

Fürstentum Anhalt-Schaumburg, 1818 (2.000)

Herzoglich Nassauische Cons. Wiesbadener Eisenbahn Gesellschaft, 1853, (1.250)

Pommersche Landschaft, 1823, Stargard (1.750)

Hammonia Möbelfabrik, Hamburg, 1891 (1.250)

 

Fazit:

Die Auktionatoren der "Freunde" Jörg Bennecke, Ulrich Drumm und Michael Weingarten können glaube ich zufrieden sein, obwohl wahrscheinlich nicht alle Erwartungen erfüllt wurden. Es scheint so, daß zur Zeit doch der eine oder andere EURO in den Taschen der Sammler fehlt. So bleibt auch bei einem attraktiven Angebot manch schönes Stück unbeboten. Denn z.B. die bereits in Berlin nicht zugeschlagene Apollinarisbrunnen ist sicher ein guter Titel, aber im Moment einfach nicht gefragt.

 

Zum Schluß noch ein Wort zu Basar und der parallelen Auktion in Gelnhausen. Es ist mir ein Rätsel wieso man, wenn ein Auktionshaus seine Termine ein Jahr im voraus bekannt gibt, unbedingt eine zweite Veranstaltung am gleichen Tag durchführen muß. Das ist einfach nur ärgerlich für die Sammler und schadet dem Sammelgebiet. Was den Basar angeht, kann ich nur meine Einschätzung wiederholen, daß diese Art von Veranstaltung wohl einfach überholt ist. Hier müssen neue Wege beschritten werden, um einem breiten Publikum den Zutritt zu ermöglichen. Denn wie konnte es anders sein, man blieb am Sonntag wieder einmal schön unter sich. Die Umsätze werden entsprechend gewesen sein.